Nach dem Jugendabend stapelt eine Frau die Stühle. Einer singt beim Zusammenräumen ziemlich schief, zwei diskutieren über den Schlüssel, und hinten sitzt noch jemand still in der Bank. Du schaust dich um: Das soll die „Braut Christi“ sein?
Ja, so nennt die Bibel die Kirche. Aber fangen wir bei der Tür an.
Wer oder was ist „Kirche“?
Eine Kirche kann ein Gebäude sein. Das Wort im Neuen Testament meint zuerst die Gemeinschaft der Menschen, die zu Jesus gehören. Das griechische ekklesía bezeichnet eine Versammlung. Die ersten Christen trafen sich, beteten, aßen und teilten, was sie hatten (Apg 2,42–47). Manchmal sicher mit Freude, manchmal mit ordentlich Reibung. Menschen halt.
Paulus nimmt dann ein Bild, das fast komisch konkret ist: einen Körper. Ein Fuß ist keine Hand. Ein Ohr ist kein Auge. Und ein Körper, der nur aus Augen besteht, kann zwar viel sehen, kommt aber keinen Schritt weiter. Jeder ist anders; gerade die scheinbar schwachen Teile sind unentbehrlich (1 Kor 12,12–27).
Wenn Christen vom „mystischen Leib Christi“ sprechen, ist kein geheimer zweiter Körper gemeint. „Mystisch“ heißt hier: Die Verbindung ist tiefer, als man von außen sehen kann. Christus ist mit diesen Menschen durch seinen Geist verbunden. Wenn einer leidet, soll es den anderen nicht powidl sein. Kirche ist also nicht nur eine Mitgliederliste mit Dach darüber.
Und warum eine Braut?
Eine Braut ist ein Mensch, der sich auf eine verbindliche gemeinsame Zukunft freut. Kein Schmuckstück, das jemand besitzt. Im Epheserbrief wird Christus mit einem Bräutigam verglichen. Das macht die Kirche nicht buchstäblich zur Ehefrau eines göttlichen Mannes. Es erzählt von einer Beziehung. Was zeichnet Christus darin aus? Er liebt die Kirche und gibt sich für sie hin (Eph 5,25–32). Die Richtung dieses Bildes ist Hingabe, nicht Besitz.
Die Bibel traut sich überhaupt erstaunlich viel Sprache für Liebe zu. Im Hohelied sucht eine Frau ihren Geliebten. Da sind Nähe, Sehnsucht, Frühlingsluft – ja, romantische Vibes in einem uralten Buch. Zuerst ist das ein Liebeslied zwischen Menschen. Christinnen und Christen haben darin später auch ein Echo der Liebe Gottes gehört. Das ist eine Deutung, keine Behauptung, Gott spreche in jeder Zeile selbst zur Kirche.
Ganz am Ende der Bibel wird sogar eine Stadt wie eine Braut gezeigt: das neue Jerusalem, in dem Gott bei den Menschen wohnt (Offb 21,2–4.9–10). Zoom einmal raus: Von den Stühlen nach dem Jugendabend bis zu einer Stadt voller Leben. Und dann wieder rein: zu dem einen Menschen, den man leicht übersehen hätte.
Natürlich macht dieses schöne Bild keine Verletzung durch Menschen in der Kirche ungeschehen. „Braut Christi“ ist kein Freibrief für alles, was eine Kirche tut. Es sagt, wie Christus sie liebt – und woran sie sich messen lassen muss.
Vielleicht ist genau das so ungeheuerlich: Er wartet nicht auf eine glänzende Hochzeitsgesellschaft ohne schiefe Töne. Er wendet sich wirklichen Menschen zu. Was könnten sie füreinander werden, wenn sie seine Liebe ernst nähmen?
Quellen & Bezugspunkte 5
- BibelDie erste christliche GemeinschaftApg 2,42–47Quelle ansehen
- BibelEin Leib mit vielen Gliedern1 Kor 12,12–27Quelle ansehen
- BibelChristus und die Kirche im Bild von Bräutigam und BrautEph 5,21–32Quelle ansehen
- BibelDas Hohelied als LiebesdichtungHld 2,8–16Quelle ansehen
- BibelDas neue Jerusalem im Bild einer BrautOffb 21,2–4.9–10Quelle ansehen