Schönberg im Bayerischen Wald, 8. April 1945. Dietrich Bonhoeffer beendet gerade eine Andacht für seine Mitgefangenen, als die Tür aufgeht. Zwei Männer in Zivil nennen seinen Namen. Er soll mitkommen.

Bonhoeffer ist evangelischer Theologe und seit zwei Jahren Gefangener des NS-Regimes. Er hat der Vereinnahmung der Kirche widersprochen, angehende Pfarrer der Bekennenden Kirche ausgebildet und sich dem politischen Widerstand angeschlossen. Der Mann, der über Nachfolge und Frieden geschrieben hatte, rang zugleich mit Schuld und der Frage, was verantwortliches Handeln in einer Diktatur verlangt.

Er blieb nicht beim richtigen Satz stehen.

Im April 1943 wurde Bonhoeffer verhaftet. Aus dem Gefängnis schrieb er Briefe, theologische Gedanken und Gedichte. Gebet und das Tun des Gerechten gehörten für ihn zusammen – nicht als einfache Formel, sondern mitten in Entscheidungen, die ihn Freiheit und Leben kosteten.

Nach der Andacht in Schönberg gibt Bonhoeffer dem britischen Mitgefangenen Payne Best einen Abschiedsgruß für Bischof George Bell mit. Am nächsten Morgen wird er im Konzentrationslager Flossenbürg ermordet, wenige Wochen vor Kriegsende.

Eine später verbreitete Schilderung seiner letzten Minuten stammt von einem SS-Arzt und ist als historischer Beleg problematisch. Bonhoeffers Gedanken vor der Hinrichtung müssen deshalb nicht ausgemalt werden. Die belegte Folge seiner Entscheidungen ist deutlich genug.

Am Ende steht kein unberührbarer Held. Da steht ein Mensch, der wusste, dass Handeln schuldig machen kann – und der Wegsehen trotzdem nicht für unschuldig hielt.

Quellen & Bezugspunkte 3
  • Historische QuelleEvangelische Kirche in Deutschland, Gedenken in FlossenbürgBonhoeffers Andacht vor der Hinrichtung und überlieferter AbschiedQuelle ansehen
  • Historische QuelleKZ-Gedenkstätte BuchenwaldBonhoeffer-Gedenkstätte; Ermordung 9. April 1945Quelle ansehen
  • BibelJesu Gleichnis vom GerichtMt 25,31–40Quelle ansehen
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