Taizé, 1940. Der 25-jährige Roger Schutz kommt in einem burgundischen Dorf an, nahe der damaligen Demarkationslinie. Europa führt Krieg. Roger kauft ein Haus und nimmt Flüchtlinge auf, darunter jüdische Menschen.
Er stammt aus einer reformierten Pfarrersfamilie in der Schweiz und sucht einen Ort, an dem Versöhnung gelebt werden kann. Dann wird seine Hilfe gefährlich. 1942 erfährt Roger, dass seine Tätigkeit entdeckt worden ist, und bleibt zunächst in der Schweiz.
Er kommt zurück.
Nach dem Krieg nimmt er mit Gefährten deutsche Kriegsgefangene auf. 1949 verpflichten sich die ersten Brüder zu einem gemeinsamen Leben in Ehelosigkeit, Einfachheit und Gemeinschaft. Später gehören Männer aus verschiedenen evangelischen Kirchen und auch Katholiken dazu. Die Trennungen zwischen den Kirchen sind damit nicht gelöst. Aber in Taizé bekommen sie nicht das letzte Wort.
Das gemeinsame Gebet wird zur Mitte: kurze Gesänge, biblische Lesungen, Stille. Mit den Jahren reisen immer mehr junge Menschen in das kleine Dorf. Viele bringen keine fertigen Antworten mit. Sie schlafen in Zelten, helfen bei den täglichen Arbeiten und sitzen neben Menschen aus anderen Ländern und Konfessionen auf dem Boden der Kirche.
Aus einem Haus wird ein Treffpunkt für Tausende.
Am 16. August 2005 wird Frère Roger während des Abendgebets tödlich verletzt. Es gibt keine Grundlage, ihm eine letzte Vergebungsszene oder letzte Worte zuzuschreiben. Sein Tod beendet die Gemeinschaft nicht.
Roger hatte die Spaltung der Christen nicht wegdiskutiert. Er stellte mitten in sie hinein einen gemeinsamen Gesang. Und plötzlich klang das kleine Dorf größer als die Grenzen ringsum.
Quellen & Bezugspunkte 3
- Historische QuelleCommunauté de Taizé, Brother RogerHerkunft, Gründung und ökumenische GemeinschaftQuelle ansehen
- Historische QuelleTaizé, Die GeschichteDenunziation 1942, Rückkehr und Aufnahme deutscher Kriegsgefangener; Tod während des Abendgebets 2005Quelle ansehen
- BibelJesu Gebet um EinheitJoh 17,20–23Quelle ansehen
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