Ávila, 1562. Gegen heftigen Widerstand beginnt Teresa mit wenigen Gefährtinnen ein neues Klosterleben in San José: arm, schlicht und ganz auf Gebet ausgerichtet.
Da ist sie schon fast fünfzig. Teresa ist seit Jahrzehnten Karmelitin, hat schwere Krankheiten überstanden und kennt lange Phasen innerer Zerrissenheit. Im Kloster zu leben bedeutete für sie noch nicht, innerlich gesammelt zu sein. Sie betete – und wich Gott zugleich aus.
Eine Darstellung des verwundeten Christus wurde zur Wende. So erzählt Teresa selbst rückblickend. Beim Anblick des leidenden Jesus erkannte sie, wie halbherzig sie lebte. Das Bild traf sie tiefer als eine Theorie.
Teresa verstand inneres Gebet als vertrauten Umgang mit einem Freund, von dem sie sich geliebt wusste. Bei ihr wurde daraus kein stilles Privatglück. Sie wollte den Karmel erneuern und stieß damit auf Misstrauen, kirchliche Prüfungen und handfesten Widerstand.
Sie machte weiter.
Teresa reiste durch Spanien, verhandelte, schrieb und gründete siebzehn Frauenklöster. Gemeinsam mit Johannes vom Kreuz wirkte sie auch an der Reform des männlichen Karmel mit. Die Nonne, die beim Gebet jahrelang mit Ablenkung und Unentschlossenheit gerungen hatte, erwies sich als entschlossene Organisatorin.
Ihre Schriften berichten auch von außergewöhnlichen mystischen Erfahrungen. Das sind Teresas eigene Glaubenszeugnisse, keine neutralen Beobachtungsprotokolle. Sichtbar ist jedenfalls, was daraus entstand: Bücher über den inneren Weg und eine Reform, die ihren Tod überdauerte.
1582 stirbt Teresa in Alba de Tormes, noch immer unterwegs für ihre Gründungen. Sie hinterließ keine Anleitung zur Flucht aus dem wirklichen Leben. Bei ihr bekam die Freundschaft mit Gott staubige Straßen unter die Füße.
Quellen & Bezugspunkte 2
- Historische QuelleBenedikt XVI., Generalaudienz über Teresa von Ávila2. Februar 2011; Leben, Reform und LebensendeQuelle ansehen
- BibelJesus über Bleiben und FruchtbringenJoh 15,1–9Quelle ansehen
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